Zeit der Entscheidungen

Vor einem Vierteljahrhundert setzte das damals noch als neumodisch bestaunte Internet dazu an, den weltweiten Einzelhandel zu revolutionieren: In Bellevue im US ­Bundesstaat Washington gründete am 1. Juni 1994 ein gewisser Jeff Bezos einen Online­Buchhandel namens Amazon, ein gutes Jahr später startete Pierre Omidyar in San José den Marktplatz Auctionweb, aus dem später Ebay werden sollte. Nach ziemlich wilden 25 Jahren, in denen sich unter anderem der Aktienkurs von Amazon vertausendfachte, steht der Handel erneut vor grundlegenden Weichenstellungen. Davon ist Carsten Szameitat überzeugt, der seit 2019 das Team der INTERNET WORLD EXPO als Director anführt. Die EXPO gilt als größte E-­Commerce­-Messe Deutschlands und findet seit 1996 jedes Jahr in München statt.

Drei wichtige Trends

Wenn die 24. INTERNET WORLD EXPO am 10. und 11. März 2020 ihre Tore öffnet, wird es um mehr gehen als um den reinen Online ­Handel, wie ihn Jeff Bezos 1994 im Sinn hatte. Szameitat sieht aktuell drei bestimmende Trends: Marktplätze: Amazon, Ebay, Alibaba und Wish – große Marktplätze schaffen immer mehr Reichweite für Shopping Angebote. Und vor allem für kleine Online­ Händler stellt sich die Frage, ob sie überhaupt noch einen eigenen Webshop brauchen. Die Anbindung des eigenen Angebots an einen Marktplatz schafft indes neue Herausforderungen: Das eigene Warenwirtschaftssystem, die eigene Logistik müssen auf die Bedürfnisse des Marktplatzes angepasst werden. Und Händler, die auf mehreren Plattformen präsent sein wollen, müssen zunächst technische und organisatorische Probleme lösen. Das gilt in besonderem Maße für die Logistik. Es bieten zwar immer mehr Plattformen auch das Fulfillment an, aber was, wenn ein Händler mehrere Plattformen bedienen will? Braucht er dann auch mehrere Fulfillment ­Dienstleister? Globaler Direktvertrieb: Der Dreisatz Hersteller – Distributor – Einzelhandel ist in der neuen Welt des digitalen Handels nicht mehr festgeschrieben. Immer mehr Marken suchen über das Internet direkt den Weg zum Kunden. Im stationären Handel ist dafür eine Kette von Flagship Stores erforderlich, eine Investition, die nicht jede Marke stemmen mag. Im Netz können Marken alle Märkte aus einer Hand bedienen. Doch was sich in der Theorie so verlockend anhört, hält in der Praxis viele Herausforderungen bereit – vom internationalisierten Shop bis hin zur grenzüberschreitenden Logistik. Digitale Services: Die Verschmelzung von On-­ und Offline ist einer der wichtigsten Trends der INTERNET WORLD EXPO. Kunden erwarten heute auch in der Filiale alle Services, die sie aus dem Online ­Handel gewohnt sind. Oft genug wechselt die Customer Journey zwischen Netz und Shop hin und her. Die Herausforderung für Retailer besteht darin, dem Kunden eine von vorn bis hinten nahtlose Customer Experience zu bieten – um sich so gegen den Wettbewerb durchzusetzen.

Antworten auf große Fragen

Das erklärte Ziel von Szameitat und seinem Team ist es, den Fachbesuchern auf diese vielen Fragen überzeugende Antworten zu bieten. Dazu wurde das bisherige Konzept der EXPO auf den Prüfstand gestellt, das Angebot der Vorträge gestrafft und fokussiert. Derzeit werden in Kooperation mit einem neuen Messebau ­Partner die letzten Details der neuen Hallenstruktur festgezurrt. Das Programm der Munich Commerce Week, einer Woche voller Veranstaltungen rund um die INTERNET WORLD EXPO, nimmt Gestalt an. Wie ist der Stand der Dinge? Szameitat empfiehlt Interessenten einen regelmäßigen Besuch der Messe­ Website: „Da finden Sie alle aktuellen News.“